Anna Vesanens Expedition zur Antarktis: Ein Traum wird Wirklichkeit

Für Anna Vesanen war die Teilnahme an der Expedition zur Antarktis ein lang gehegter Traum, der nun Wirklichkeit wurde. Ihre gesamte berufliche Laufbahn hat sie darauf hingearbeitet, einen der letzten Orte der Erde zu erleben, die noch nicht durch menschliche Aktivitäten verändert wurden.

„Es ist ein schwer zugänglicher Ort, den nur wenige Menschen besuchen können. Daher eignet sich dieser Ort hervorragend zur Erforschung des Klimawandels und der Umwelt“, erklärt sie.

Berufsleben und Spezialisierung

Im Alltag arbeitet Vesanen als Forschungstechnikerin an der Tvärminne zoologischen Station in Hangö. Neben ihrer Tätigkeit als Marinebiologin ist sie auch Taucherin, und genau diese Expertise war während der zweiten Expedition im Rahmen eines drei Jahre dauernden Projekts über Riesenschwämme und deren Lebensraum in der Antarktis erforderlich.

An der Tvärminne zoologischen Station gibt es eine eigene Forschungsdykakademie, die eine hochwertige Ausbildung auf höchstem Niveau für wissenschaftliches Polartauchen anbietet. Dieses Wissen wollten Anna Vesanen und ihr Tauchkollege Erik Wurz in die Welt tragen.

Vorbereitung auf die Reise

Die Nachricht über die Reise erreichte sie sehr kurzfristig. Innerhalb von drei Wochen mussten alle notwendigen Vorbereitungen getroffen werden, z. B. die Überprüfung der Tauchausrüstung und die Durchführung aller Gesundheitsuntersuchungen. Da die Antarktis eine sehr abgeschottete Gemeinschaft ist, ist es besonders wichtig, keine Krankheiten dorthin zu bringen.

An der Forschungsstation Scott Base in der Antarktis gibt es Platz für etwa einhundert Personen. Die Sommermonate in der Antarktis erstrecken sich von Oktober bis März und sind in diesem Zeitraum auch die aktivsten Monate für Forschungsarbeiten.

Als Anna Vesanen Ende Oktober ankam, betrug die Temperatur etwa minus 20 Grad, aber nach einigen Wochen stieg sie auf Null Grad.

„Das war ziemlich überraschend. Manchmal war es zu Hause in Finnland kälter als an der Forschungsstation“, stellt sie fest.

Herausforderungen unter Wasser

Zu Anna Vesanens Team gehörten sieben Forscher: zwei von Tvärminne, vier aus Deutschland und eine Person aus Neuseeland. Für vier Wochen sollten sie unter dem Eis tauchen, um die Riesenschwämme zu untersuchen.

Die Tauchbedingungen in der Antarktis unterscheiden sich stark von denen in der Ostsee. Das Wasser hat eine Temperatur von fast minus zwei Grad, was fortgeschrittenere Ausrüstung und strengere Sicherheitsprotokolle erfordert.

Das Tauchen erfolgt unter einer dicken Eisschicht, was besondere Vorbereitungen und Sicherheitsvorkehrungen erforderlich macht. Die Kälte beeinflusst die Funktionalität der Tauchausrüstung, und es ist zudem schwierig, Ersatzteile zu beschaffen, falls etwas kaputtgeht.

Dennoch ist das Tauchen in dem klaren und reinen Wasser unter dem Eis eine einzigartige Erfahrung.

„Die Sicht beträgt mehrere hundert Meter, es fühlt sich an, als würde man im Weltraum schweben“, beschreibt Anna Vesanen.

Untersuchung einer der ältesten Tierarten der Erde

Das Ziel der Forschung war die Untersuchung der Riesenschwämme, die zu den ältesten Tierarten der Erde zählen. Durch das Entnehmen von Proben können die Wissenschaftler messen, wie die Schwämme atmen, sich ernähren und Nährstoffe umwandeln sowie wie sie auf den Klimawandel reagieren.

Die Ergebnisse unterstützen die Forscher dabei, zu verstehen, wie das gesamte Ökosystem funktioniert und wie es in Zukunft geschützt werden kann. Anna Vesanens Aufgabe bestand darin, Proben zu sammeln, Forschungsgeräte zu installieren und zu überwachen, die Schwämme zu dokumentieren und sicherzustellen, dass die Tauchgänge so sicher wie möglich durchgeführt werden.

„Die Riesenschwämme können bis zu zehntausend Jahre alt sein, weshalb wir sie beim Aufstellen des Inkubationzeltes nicht beschädigen wollen“, erklärt sie.

In der Forschungsstation in der Antarktis befinden sich die Schwämme in einer Tiefe von 30 Metern, was die Untersuchung erleichtert. An anderen Stellen auf dem Kontinent können sie bis zu tausend Meter tief vorkommen.

Intensive Tauchgänge während der Expedition

Als Marinebiologin ist der Klimawandel ein Thema, das immer präsent ist, sagt Anna Vesanen. In der Antarktis ist die Realität aufgrund der steigenden Temperaturen und der immer dünner werdenden Meereis besonders spürbar.

„Alle sehen es und denken darüber nach, aber vor Ort versuchen wir, uns auf die Arbeit zu konzentrieren und so hochwertige Daten wie möglich zu sammeln.“

In den vier Wochen führte das Forschungsteam insgesamt 64 Tauchgänge durch, wovon Anna an 21 teilnahm. Dies bedeutet, dass sie zwischen ein und zwei Tauchgängen pro Tag hatte.

Trotz der physischen Anstrengung war es die Mühe wert.

„Es war so aufregend, dass es sich nicht anstrengend anfühlte; es war einfach unglaublich, dort zu sein. Das Tauchen war tatsächlich noch besser, als ich es mir vorgestellt hatte“, sagt sie.

Analyse und zukünftige Bedeutung der Ergebnisse

Jetzt werden die Proben an verschiedenen Forschungsinstituten analysiert, hauptsächlich am deutschen Alfred-Wegener-Institut (AWI). Die Forscher werden die Proben untersuchen, um herauszufinden, welche Nährstoffe sich in und um die Riesenschwämme befinden, wie die Schwämme diese Nährstoffe verarbeiten und wie ihr Ökosystem funktioniert.

Zusätzlich werden Daten von den Inkubationsexperimenten und 3D-Modellierungen, die vor Ort durchgeführt wurden, analysiert. Ziel ist es, zu verstehen, wie die Schwämme und ihr Lebensraum vom Klimawandel beeinflusst werden.

Die Ergebnisse der Analysen werden zusammengetragen und schließlich in wissenschaftlichen Artikeln veröffentlicht. Diese Ergebnisse können dann als Grundlage für zukünftige Forschungen und Entscheidungen in Bezug auf Umweltschutz und Klimapolitik dienen.

Anna Vesanen kehrt jetzt zu ihrer Arbeit an der Tvärminne zoologischen Station zurück. Dennoch hofft sie, irgendwann erneut in die Antarktis reisen zu können, auch wenn es schwierig sein kann, die Finanzierung zu erhalten.

„Ich möchte es nicht für selbstverständlich halten, aber wenn es möglich wird, wäre das fantastisch. Ich hoffe, dass ich wieder dorthin fahren und bei der Forschung helfen kann.“

Forschende von der Tvärminne zoologischen Station waren bereits früher in der Antarktis tätig. Hier ist eine Dokumentation über ihre Arbeit: