Die Rolle des Ameisenforschers: Ein Besuch bei Bernhard Seifert in Görlitz

Die große Drüsenameise, wissenschaftlich bekannt als Tapinoma magnum, hat das Potenzial, Straßen zu unterhöhlen oder Strom- und Kommunikationsnetze zu stören. Seit ihrer Entdeckung in Sachsen im Jahr 2025 ist der Görlitzer Ameisenforscher Bernhard Seifert stark gefragt.

Hochbetrieb für den Ameisenforscher

Eine invasive Ameisenart sorgt für einen Arbeitsaufwand für Bernhard Seifert, den er so noch nie erlebt hat. Im Jahr 2025 erhielt er eine Rekordanzahl von Bestimmungsanfragen zu verdächtigen Ameisenfunden. Zum ersten Mal wurde die große Drüsenameise in Sachsen gesichtet, die durch ihre Superkolonien bekannt ist, welche Straßen unterhöhlen und Mauern sowie Gehwege beschädigen können.

Die Ameisen sind vermutlich über importierte Olivenpflanzen in Gartencentern nach Deutschland eingewandert und tauchten zunächst im Rheinland auf. Im Juli 2025 untersuchte Seifert die ersten Exemplare aus Sachsen unter dem Mikroskop.

Leidenschaft für Ameisen seit der Kindheit

Bereits als Kind wurde der gebürtige Zwickauer von der Faszination für Ameisen ergriffen. Besonders einschlägige Kinderbücher weckten sein Interesse: „Die Abenteuer der Ameise Ferdinand haben mich begeistert. Natürlich gab es viel Unsinn darin, aber es war unterhaltsamer Unsinn, der meine Begeisterung für Ameisen entfachte.“

Bernhard Seifert erforscht diese Krabbeltiere seit 1981 professionell. Viele seiner ursprünglichen Instrumente stammen noch aus dieser Zeit. Er zeigt stolz auf eine Aufbewahrungsbox, die aus Riesaer Zündholz-Schachteln selbst gebaut wurde: „Mit einfachen Mitteln kann man in der Hochtechnologiewissenschaft viel erreichen.“ Heute verfügt er über einen Keller voller „Aservate“ und bestimmt die Tiere in seinem Ruhestand.

Vielfalt der Ameisen in Deutschland

Biologen schätzen, dass es in Deutschland insgesamt rund 120 Ameisenarten gibt, von denen die meisten ungefährlich sind. Einige dieser Arten spielen eine wesentliche Rolle in Ökosystemen und sind wertvoll für die heimische Natur. Daher ist eine korrekte Bestimmung vor einer Bekämpfung entscheidend.

Herausforderungen durch invasive Arten

Bernhard Seifert beschreibt seine Erlebnisse mit der Tapinoma magnum, die erstmals 2009 auf seinem Tisch landete. Er war zunächst beeindruckt von der Besonderheit dieser invasiven Ameise: Eine Kolonie kann mehrere Königinnen beherbergen, die sich über große Flächen verbreiten. In Deutschland existieren Superkolonien, die sich über 30 Hektar erstrecken. Eine Superkolonie in Portugal erstreckt sich sogar über zwei Quadratkilometer: „Dort gibt es Milliarden von Arbeiterinnen und Millionen von Königinnen.“

Dennoch hat der Görlitzer Ameisenexperte durch die häufige Beobachtung der Art im Jahr 2025 seine anfängliche Begeisterung verloren. Die Anfragen zu dieser Art häufen sich: „Einerseits freut man sich über die Aufmerksamkeit, andererseits kann es auch stressig werden“, erzählt Seifert.

Der Wunsch nach einem Kollegen

Seifert ist der Meinung, dass die Bekämpfung dieser Insekten schwierig ist: „Man muss eingreifen, solange die Ameisen noch klein sind.“ Eine frühzeitige Identifikation der hartnäckigen Insekten erfordere Personal. Daher wünscht sich der 70-jährige Ameisenforscher einen Kollegen, um sein Wissen weitergeben zu können.

Dieses Thema wurde im Programm MDR SACHSEN – Das Sachsenradio behandelt.