Eines der herausforderndsten Rätsel für Mathematiker ist das Problem des beweglichen Sofas. Es wurde 1966 vom österreichisch-kanadischen Mathematiker Leo Moser aufgeworfen. Die zentrale Frage lautet: Was ist die maximal mögliche Fläche eines starren Objekts, das in einem 1 Meter breiten L-förmigen Flur um eine rechte Kurve gepasst werden kann?
Dieses Rätsel hat sowohl Lehrer als auch Studenten fasziniert. Über sechs Jahrzehnte hinweg wurden zahlreiche Lösungsvorschläge unterbreitet, die jeweils raffinierter waren als die vorherigen. Der letzte und bedeutendste Vorschlag kam von Joseph Gerver von der Rutgers-Universität, der 1992 eine geschwungene Figur mit einer Fläche von 2,2195 Quadratmetern präsentierte. Seitdem gelang es niemandem, eine bessere Figur zu finden, bis Baek Jin-eon auftrat.
Eine definitive Grenze für ein klassisches Problem
Der 31-jährige koreanische Mathematiker Baek Jin-eon konnte nachweisen, dass die Figur von Gerver nicht nur die bekannteste, sondern auch die maximal mögliche Fläche darstellt. Baek begegnete diesem Rätsel während seines obligatorischen Militärdienstes als Forscher am Nationalen Institut für Mathematikwissenschaften in Korea. Was ihn besonders fesselte, war das Fehlen eines soliden theoretischen Rahmens: Das Problem existierte ohne eine klare Struktur, auf der man aufbauen konnte.
Diese Lücke wurde zum Motor seiner Forschung. Über sieben Jahre hinweg, zunächst als Doktorand an der Universität von Michigan und später als Postdoktorand an der Yonsei-Universität, arbeitete er kontinuierlich daran, das Problem im Alter von 29 Jahren zu lösen.
Die Ergebnisse und ihre Anerkennung
Das Ergebnis wurde in einem 119 Seiten umfassenden, dichten und rigorosen Beweis festgehalten, der belegt, dass die Gerver-Figur unschlagbar ist. Der Artikel wurde Ende 2024 in arXiv veröffentlicht und befindet sich derzeit in Überprüfung bei den Annals of Mathematics, einer der angesehensten Fachzeitschriften in diesem Bereich.
Reines Denken, ohne Computer oder Simulationen
Für die akademische Gemeinschaft wurde das Problem des beweglichen Sofas zu einem Symbol für die Grenzen des mathematischen Wissens in der Geometrie. Im Jahr 2025 zählte das Scientific American die Lösung des beweglichen Sofapuzzles zu den zehn größten mathematischen Fortschritten des Jahres.
Baeks Ansatz sticht dadurch hervor, dass er im Gegensatz zu vorherigen Versuchen vollständig ohne Computer zur Verfeinerung von Schätzungen arbeitete. Der südkoreanische Forscher entschied sich, diese Werkzeuge aus seiner Arbeit wegzulassen und seine Behauptungen ausschließlich auf logische und theoretische Argumente zu stützen.
Die weitere Karriere von Baek Jin-eon
Derzeit ist Baek Jin-eon assoziierter Forscher am June E. Huh Center for Mathematical Challenges des Korean Institute for Advanced Study und arbeitet weiterhin an Problemen der Optimierung und kombinatorischen Geometrie. Für viele seiner Kollegen schließt sein Erfolg nicht nur ein Kapitel in der Geschichte der Mathematik ab, sondern eröffnet auch neue Forschungswege.











