Wenn wir von Viren hören, denken die meisten Menschen oft an gefährliche Epidemien. Doch es existieren auch „gute“ Viren, die Bakterien angreifen: die Bakteriophagen. Laut den jüngsten Forschungen könnte ihr Verhalten im Weltraum entscheidend für die Bekämpfung der Antibiotikaresistenz sein. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Viren, die im Weltraum mutiert sind, in der Lage sind, selbst die resistentesten Erdbakterien zu zerstören.
Könnte dies die Lösung für Antibiotikaresistenz sein?
Seltsame Phänomene treten in der Mikrogravitation auf. Forschende haben festgestellt, dass Bakterien im Weltraum „wild“ werden, wenn sie die Erde verlassen. Die Bakterien auf der Internationalen Raumstation (ISS) haben sich so verändert, dass sie sich stark von ihren irdischen Verwandten unterscheiden und sogar eine sogenannte Biofilm-Schicht gebildet haben, die sie erheblich widerstandsfähiger macht.
Diese Entdeckung führte Vatsan Raman und sein Team von der University of Wisconsin-Madison dazu, zu untersuchen, was geschieht, wenn man diese Bakterien mit ihren natürlichen Feinden, den Viren, in der Schwerelosigkeit konfrontiert.
Die Versuchsreihe
Für das Experiment schickten sie E. coli-Bakterien, die auch im menschlichen Mikrobiom vorkommen, sowie das sie angreifende T7-Virus ins All.
Das Ergebnis überraschte alle Beteiligten.
Überraschende Ergebnisse
Die erste Überraschung für die Wissenschaftler war, dass der Prozess der Infektion drastisch verlangsamt wurde. Während das Virus auf der Erde etwa 20 Minuten benötigt, um das Bakterium zu zerstören, dauerte es im Weltraum Stunden oder sogar Tage. Doch das war nicht die größte Überraschung.
Durch die Mikrogravitation begannen die Bakterien, sich zu verteidigen und zu mutieren, während auch die Viren nicht untätig blieben: Sie mutierten im Laufe der Zeit ebenfalls, um den Bakterienwiderstand zu durchbrechen.
Rückkehr zur Erde
Als diese „trainierten“ und im Weltraum modifizierten Viren zurück zur Erde gebracht wurden, stellten die Wissenschaftler erstaunliche Dinge fest.
Ein Wunderwaffe gegen Superbakterien?
Die Forscher setzten die im Weltraum gesammelten mutierten Viren auf resistente Erd-Bakterien an, die schwere Harnwegsinfektionen verursachen und in der Regel gegen Behandlungen resistent sind. Das Ergebnis war vielversprechend: Die Weltraumviren zerstörten die resistenten Krankheitserreger unerbittlich.
Diese Entdeckung könnte große Hoffnung im Kampf gegen Antibiotikaresistenz bringen. Durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika entstehen zunehmend Bakterienstämme, für die es kein Medikament gibt. Der Einsatz von Bakteriophagen könnte eine Lösung darstellen, und es scheint, dass wir im Weltraum effektivere Varianten züchten können, als es auf der Erde möglich wäre.
Vatsan Raman äußerte dazu:
„Die Botschaft ist, dass diese Viren Mutationen entwickeln können, die im Kampf gegen Krankheitserreger vorteilhaft sein könnten. Möglicherweise werden die Medikamente der Zukunft nicht in einem Labor, sondern im Erdorbit geboren.“
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift PLOS Biology veröffentlicht.











