Um im Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten und China, das bereits über einen umfassenden Plan zur Künstlichen Intelligenz verfügt, bestehen zu können, benötigt die Europäische Union nicht nur leistungsfähige Modelle und spezialisierte Unternehmen, sondern auch Gigafabriken für Künstliche Intelligenz. In ihrer Agenda hat die EU bereits den Bau von bis zu fünf solcher Anlagen in ganz Europa eingeplant. Der genaue Standort ist noch nicht festgelegt, jedoch hat Spanien seine Kandidatur in Form einer Partnerschaft zwischen Madrid und Katalonien vorgestellt.
Die Madrid-Katalonien-Kandidatur
Diese Bewerbung vereint die Speicherkapazitäten und das Netzwerk Madrids mit der Erfahrung in Computerarchitektur aus Katalonien. Darüber hinaus verfügt Spanien über eines der stabilsten Netzwerke für erneuerbare Energien in Europa, was eine kritische Voraussetzung für die Genehmigung darstellt.
Ein zentrales Element ist die Achse Madrid-Katalonien, die das Barcelona Supercomputing Center mit einem neuen Knotenpunkt in San Fernando de Henares (Madrid) und der bereits geplanten Großanlage in Móra la Nova (Tarragona) verbindet. Diese würde die energetische Infrastruktur der Region nutzen.
Was macht eine Gigafabrik aus?
Im vergangenen Februar kündigte Ursula Von der Leyen das Projekt InvestAI an, das 200 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz mobilisieren wird, wovon ein Fonds von 20 Milliarden Euro für Gigafabriken vorgesehen ist. Diese Gigafabriken sind im Wesentlichen große Rechenzentren, die mit mindestens 100.000 fortschrittlichen KI-Chips ausgestattet sind.
Die grundlegenden Unterschiede zwischen einer einfachen KI-Fabrik und einer Gigafabrik liegen in der Größe und dem Zweck: Während eine normale Fabrik ein Supercomputing-Zentrum ist, das darauf optimiert ist, KI-Modelle für spezifische Aufgaben anzupassen, ist eine Gigafabrik eine viel leistungsstärkere Infrastruktur, die darauf ausgelegt ist, Modelle von Grund auf zu trainieren. Auch auf der Hardwareebene gibt es Unterschiede: Der EU-Standard für Fabriken liegt bei rund 25.000 Chips. Zudem werden Gigafabriken in der Regel nicht in bestehenden Rechenzentren integriert, wie etwa dem MareNostrum 5 in Barcelona, sondern benötigen ihre eigene Hochspannungsunterstation.
Anforderungen für den Bau von Gigafabriken
Der Bau von bis zu fünf Gigafabriken in der EU ist Teil des Aktionsplans „kontinentale KI“ der Europäischen Kommission. Zu Beginn dieses Jahres und nach einigen Verzögerungen wurde bereits die formelle Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen veröffentlicht.
Die Anforderungen an diese Vorschläge umfassen eine Kapazität von mehr als 100.000 modernen Chips, eine positive Bewertung der redundanten Architektur, fortschrittliche Kühlsysteme, vollständige Nachhaltigkeit sowie die Möglichkeit einer spezifischen Hochspannungsunterstation. Darüber hinaus sollte die Mehrheit des Kapitals aus europäischen Mitteln stammen, wobei das Finanzierungsmodell eine Mischung aus öffentlichen und privaten Mitteln sein muss.
Zeitplan und Finanzierung
Falls die EU das Projekt in den nächsten Monaten genehmigt, könnte der Bau 2027 beginnen und zwischen 2027 und 2028 betriebsbereit sein. Wie Óscar López, Minister für digitale Transformation und öffentliche Funktionen, ausführte, könnte die gemeinsame öffentliche und private Investition mehr als 4 Milliarden Euro betragen, um diese Gigafabrik Wirklichkeit werden zu lassen. Die öffentliche Finanzierung würde unter anderem von der spanischen Gesellschaft für technologische Transformation bereitgestellt.











