Ein in den Tropen beheimateter Fisch, bekannt als Archerfisch, hat das Verständnis von Gedächtnis, Gehirnfunktionen und der Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, bei Wissenschaftlern revolutioniert. Traditionell wurde geglaubt, dass die Fähigkeit, menschliche Gesichter zu erkennen, insbesondere das eigene, eine anspruchsvolle Hirnfunktion erfordert, die nur komplexen Lebewesen vorbehalten ist.
Allgemein gehen wir davon aus, dass Fische, die hauptsächlich in natürlichen Lebensräumen ohne ausgeprägtes Gedächtnis leben, in ihrer kognitiven Funktion begrenzt sind. Doch diese Annahmen wurden mit den faszinierenden Fähigkeiten des Archerfisches widerlegt. Mit seiner hervorragenden Sehkraft und bemerkenswerten Gedächtnisleistungen hat er das Interesse der Wissenschaftler geweckt.
Lebensraum und Jagdmethode
Der Archerfisch ist vor allem in den Küstenregionen Südostasiens und im Norden Australiens anzutreffen, wo er in fließenden Gewässern und Mangroven lebt. Berühmt ist er für seine bemerkenswerte Fähigkeit, Tiere, die sich über dem Wasser aufhalten, durch präzises Spritzen von Wasser zu jagen und sie so zu fangen.
Wissenschaftliche Entdeckung
Eine bedeutende Studie über die Gesichtserkennung des Archerfisches wurde 2016 veröffentlicht und stammt von Forschern der Universitäten Oxford und Queensland in der Fachzeitschrift ‚Scientific Reports‘. Diese Forschung legt nahe, dass die Fähigkeit zur Gesichtserkennung normalerweise einen Teil des Gehirns erfordert, der als Neokortex bekannt ist und nur bei Primaten und einigen Vogelarten vorkommt. Interessanterweise hat der Archerfisch jedoch keinen Neokortex.
Trotzdem absolvierte der Archerfisch die Experimente in der Studie erfolgreich. An einem Computerbildschirm, der über einem Tank mit Fischen angebracht war, wurden den Fischen Bilder menschlicher Gesichter gezeigt. Jeder Archerfisch wurde trainiert, Wasser auf ein bestimmtes Gesicht zu spritzen. Als Belohnung erhielten sie anschließend Futter. Nach dem Training wurden den Fischen 44 neue Gesichter präsentiert.
Ergebnisse und Implikationen
Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Der Archerfisch war in der Lage, das zuvor trainierte Gesicht mit einer Genauigkeit von etwa 81 % unter den 44 unbekannten Gesichtern zu erkennen. Dies weist darauf hin, dass die Fische nicht nur auf einfache visuelle Hinweise reagierten, sondern tatsächlich die Gesichter erkannten.
Allerdings bleibt unklar, ob der Archerfisch die vollständige Form eines Gesichts im Gedächtnis behält oder ob er die Gesichtszüge in Einzelheiten analysiert. Es ist jedoch evident, dass der Archerfisch in der Lage ist, visuelle Informationen zu lernen, zu speichern und später abzurufen – Fähigkeiten, die einst nur größeren Tieren mit ausgeprägtem Gehirn zugeschrieben wurden.











