Die aktuelle Situation führt zu einer schnellen Abwertung von früher als zentral erachteten beruflichen Vorteilen. Die analytische Denkweise, einst ein wertvolles Gut, wird zunehmend zu einem leicht zugänglichen und preiswerten Produkt. An dieser Stelle äußert die Expertin Berger, dass die moderne Führung vor einer grundlegenden wirtschaftlichen Frage steht: Welchen Wert hat der Mensch in einer Organisation, in der Maschinen besser denken und rechen als er?
Berger argumentiert, dass die gängige Reaktion von Organisationen falsch sei. Anstatt innezuhalten und einen Kurswechsel zu vollziehen, versuchen viele, das menschliche Tempo zu beschleunigen, um mit der Technologie Schritt zu halten. „Das ist ein von vornherein verlorener Kampf“, stellt sie fest. „Die Lehren aus der industriellen Revolution sollten klar sein. Der Versuch, den Menschen so zu optimieren, dass er mit der Leistung von Maschinen gleichzieht, wird in Frustration und Enttäuschung enden.“
Die von ihr vorgeschlagene Strategie ist völlig entgegengesetzt: kein Wettbewerb, sondern Differenzierung. Wenn KI Antworten liefert, muss der menschliche Manager lernen, die richtigen Fragen zu stellen. Während die Maschine Muster erkennt, besteht die Aufgabe des Menschen darin, den kulturellen, sozialen und psychologischen Kontext zu verstehen, der diesen Mustern zugrunde liegt. Mit anderen Worten, der Schwerpunkt sollte vom Rechnen auf das Urteilen verlagert werden.
In diesem Zusammenhang ändert sich auch der Status dessen, was früher als „weiche Fähigkeiten“ bezeichnet wurde. Früher wurden emotionale Intelligenz, Empathie und Motivationsfähigkeit als nette Ergänzung oder Themen für Wohlfühl-Workshops betrachtet; heute werden sie zum Kern des Geschäfts selbst. „Wir bewegen uns von Wissensmanagement zu Bedeutungsmanagement“, erklärt Berger. „Früher wurde der Wert von Analysten, Juristen oder Managern nach der Menge des angeeigneten Wissens gemessen. Dieser Vorteil schwindet. In einer Zeit der Unsicherheit wird die Maschine Daten bereitstellen, aber sie kann keine Bedeutung, Vertrauen oder Einheitlichkeit aufbauen.“
Berger warnt Führungskräfte, die Emotionen nach wie vor als Randthema betrachten. Ihrer Meinung nach erzeugen Daten allein kein Engagement und bauen keine Beziehungen innerhalb einer Organisation auf. „Menschen schaffen Vertrauen“, betont sie. „Emotionale Intelligenz ist kein nettes Extra mehr, sondern eine Bedingung für das Überleben und ein Motor für Wachstum.“











