Die Rolle von digitaler Vielseitigkeit im Bildungsbereich

Eine aktuelle Dissertation von der Universität Umeå deckt eine Diskrepanz zwischen dem Lehrplan und der Praxis an Gymnasien auf. Laut Anna Lodén, Doktorandin und Gymnasiallehrerin, fehlen in den Fächern Biologie, Chemie und Naturwissenschaften klare Vorgaben, wie Schüler das Internet zur Informationssuche nutzen sollten. Sogar das grundlegende Wissen, wie man mit Google sucht, wird nicht behandelt.

In ihrer Forschungsarbeit hat Lodén den Unterricht in naturwissenschaftlichen Klassenzimmern über vier Zeiträume hinweg beobachtet. In den ersten Teilen der Studie verwendeten die Schüler Google, um Informationen zu finden. In den jüngsten Abschnitten hingegen griffen sie zunehmend auf Chat-GPT zurück.

Verlust der Quellenkritik

Die Forschung zeigt, dass dieser Übergang das Informationssuchverhalten der Schüler verändert hat. Lodén erklärt: „Wenn man mit Google arbeitet, folgt man einer Frage-ersten Logik. Man stellt eine Frage, gelangt zu einer Ergebnisliste und trifft eine Auswahl. Bei der Nutzung generativer KI hingegen hat man eine Antwort-erste Logik, was bedeutet, dass man den Prozess und das kritische Hinterfragen von Quellen verliert.“

Die Notwendigkeit der Lehrerführung

Anna Lodén betont, dass Schüler eine Fähigkeit erlernen müssen, die sie als digitale Vielseitigkeit bezeichnet. Diese umfasst die Fähigkeit, Themen mit Quellenkritik und Suchstrategien zu verknüpfen und gleichzeitig zu verstehen, wie Algorithmen und generative KI funktionieren. Dies sei eine anspruchsvolle Herausforderung, so Lodén.

Für die Lehrer ändert sich die Aufgabe, denn es geht nicht mehr nur darum, die Schüler dazu zu bringen, die richtige Quelle auszuwählen, sondern sie vielmehr dabei zu unterstützen, die Antworten, die sie erhalten, zu analysieren und zu bewerten.