Die Zukunft des Künstlichen Intelligenz laut D. Hassabis

In einem Interview mit CNBC bei „The Tech Download“ entblätterte D. Hassabis eine Vision für die zukünftige Welt, in der künstliche Intelligenz ähnlich wie der Mensch denken wird und die Wissenschaft in eine wahre „Goldene Ära“ eintreten könnte. Trotz der gegenwärtigen Faszination der Gesellschaft für Chatbots und KI-Systeme sieht D. Hassabis diese Technologien etwas kritisch.

Kritik an aktuellen KI-Systemen

Er charakterisiert die Fähigkeiten der heutigen Systeme als „ungleichwertige Intelligenz“. „Sie können in einem Bereich hervorragend abschneiden, sind aber in einem anderen völlig hilflos. Es genügt, die Frage etwas anders zu formulieren, und die Mängel treten zutage. Manchmal können sie sogar relativ einfache Aufgaben nicht erfüllen“, erklärt der Wissenschaftler. Laut D. Hassabis ist das größte Problem, dass KI immer noch nicht versteht, wie die reale physische Welt funktioniert. Obwohl Systeme in der Lage sind, präzise Antworten zu geben, Texte zu schreiben oder beim Programmieren zu helfen, „verstehen“ sie nicht wirklich, was sie tun. KI generiert lediglich die wahrscheinlichste Antwort basierend auf riesigen Datenmengen.

Was ist Künstliche Allgemeine Intelligenz?

D. Hassabis hat den Großteil seines Lebens nicht Künstlicher Intelligenz, sondern der Entwicklung von Künstlicher Allgemeiner Intelligenz (AGI) gewidmet. AGI ist ein System, das in der Lage wäre, jede intellektuelle Aufgabe nicht schlechter als ein Mensch auszuführen, Wissen von einem Bereich in einen anderen zu übertragen, sofort zu lernen und sogar Neues zu erfinden. D. Hassabis prognostiziert, dass AGI in den nächsten 5 bis 10 Jahren allmählich zur Realität wird, anstatt nur ein theoretisches Konzept zu sein. Eine solche Technologie würde laut ihm die Welt radikal verändern. „Es wäre wie eine industrielle Revolution – nur 10 Mal schneller“, sagt er und spricht über die potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft und das tägliche Leben.

KI als „Superwissenschaftler“

D. Hassabis ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz zu einem der wichtigsten Werkzeuge zur Rettung der Menschheit werden kann. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Projekt „AlphaFold“, das in der Biologie eine Revolution ausgelöst hat, indem es die Struktur fast aller Proteine im menschlichen Körper vorhersagte. Solche umfangreichen Studien hätten Forscher Jahrzehnte gekostet. Für diesen Durchbruch wurde D. Hassabis 2024 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. „Ich träume davon, dass KI zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt wird. Ich denke, dass wir in den nächsten 10 bis 20 Jahren einen Großteil der Krankheiten besiegen können“, sagt er. Allerdings ist Medizin nur ein Bereich. D. Hassabis ist sich sicher, dass KI auch zur Schaffung sauberer Energie, zur Beschleunigung der Entwicklung der Kernfusion, zur Entdeckung neuer Materialien und zur Bewältigung der Klimakrise beitragen kann. „Wenn sich KI in die richtige Richtung entwickelt, könnte das nächste Jahrzehnt eine völlig neue Ära wissenschaftlicher Entdeckungen einläuten“, betont er.

Vorsichtiger Optimismus: Die Risiken der KI

Trotz der enormen Möglichkeiten gesteht D. Hassabis ein, dass künstliche Intelligenz auch ernsthafte Gefahren birgt. Er bezeichnet KI offen als eine Technologie mit doppeltem Verwendungszweck. Zwei Bereiche bereiten ihm die größte Sorge: der missbräuchliche Einsatz – leistungsstarke universelle Systeme könnten in die Hände von Kriminellen oder feindlichen Staaten gelangen und zur Entwicklung von Cyberwaffen oder anderen großflächigen Bedrohungen verwendet werden, sowie autonome Systeme – die Menschheit bewegt sich schnell auf KI „Agenten“ zu, die in der Lage sind, eigenständig zu handeln und Entscheidungen ohne direkte menschliche Intervention zu treffen.

„Welche Beschränkungen wird es geben? Wie können wir sicherstellen, dass solche Systeme das tun, was wir wollen, und nicht in eine gefährliche Richtung abdriften?“ fragt der DeepMind-Chef rhetorisch. Seiner Meinung nach darf man in diesem Wettbewerb nicht blindlings hasten. Ein wissenschaftlicher Ansatz ist notwendig – das Verhalten von KI sorgfältig zu erforschen, bevor sie in die reale Welt gelangt. „Mit KI muss man das sein, was ich einen vorsichtigen Optimisten nenne. Ich glaube an die Kreativität des Menschen, aber das ist nicht garantiert. Wir können nicht blindlings darauf aufspringen“, sagt D. Hassabis.

Darüber hinaus wird laut D. Hassabis die Evolution der KI in naher Zukunft besonders sichtbar sein. „KI-Systeme, die autonom agieren können, werden so zuverlässig werden, dass sie praktisch nützlich sind. Ich glaube, dass wir in den nächsten 12 bis 18 Monaten in der Robotikbranche äußerst interessante Durchbrüche sehen werden“, prognostiziert er. „KI-Assistenten werden im realen Leben wirklich hilfreich werden. Wir arbeiten daran, dass KI die physische Realität versteht und ihre Handlungen so plant, wie es ein Mensch tun würde“, fasst D. Hassabis zusammen.