Unter feuchten Felsen, in den kleinen Spalten des Ozeans und tief im genetischen Code verbergen sich viele unbekannte oder noch nicht benannte Organismen. Wissenschaftler entdecken jedes Jahr Hunderte neuer Arten. Auch in diesem Jahr haben sie auf Bergtouren, Unterwasserexpeditionen und in tiefen Wäldern oder Museen verschiedene neue Lebewesen gefunden, darunter kleine Beuteltierchen, Fledermäuse aus den Himalayas, jahrhundertealte Bäume, leuchtend blaue Schmetterlinge, spezielle Schlangenarten und Pflanzen aus der Gattung der Wasserkelche.
Professor Mario Moura von der Bundesuniversität Paraíba in Brasilien erklärt: „Die Öffentlichkeit glaubt oft, wir kennen die Artenvielfalt der Erde bereits gut, doch selbst optimistische Schätzungen sprechen davon, dass wir nur etwa 20 % des Wissens haben.“ Einige Schätzungen gehen sogar davon aus, dass nur 10 % der rechtlich anerkannten Arten dokumentiert sind.
In der wissenschaftlichen Gemeinschaft bezieht sich der Begriff „neue Art“ nicht nur auf Neuentdeckungen, sondern auch auf Organismen, die entdeckt, aber erst nach umfassender Forschung, Beschreibung und Bestätigung ihrer Einzigartigkeit formell benannt werden. Dieser Prozess kann Jahre dauern. Leider sind viele neue Arten bedroht und fast ausgestorben, bevor sie benannt werden, da sie unter dem Druck von Entwicklung und Klimawandel stehen.
In dem komplexen Netzwerk des Lebens auf der Erde ist jede Art unersetzlich. Wenn es gelingt, sie zu schützen, können sie potenziell Medikamente zur Behandlung von Krankheiten oder Nahrungsquellen werden.
Die Entdeckung neuer Arten erfolgt auf unterschiedlichsten Wegen: Manchmal durch wissenschaftliche Expeditionen, manchmal durch genetische Studien. In Museen können durch den Vergleich von Sammlungen neue Arten beschrieben werden. Es gibt auch Fälle, in denen bereits bekannte Arten durch vertiefte Untersuchungen als eigenständige Arten identifiziert werden, wie zum Beispiel der Geigenrochen, der 2025 im Atlantik entdeckt wurde.
In vielen Fällen sind die „neuen Arten“, die Wissenschaftler finden, den Einheimischen oder indigenen Völkern bereits bekannt, die ihnen oft Namen geben und den Forschern helfen, diese Organismen weiter zu erforschen.
Neue Arten, die 2025 besonders beachtet werden sollten
1. Die Mausbeuteltierchen aus den Wolkenwäldern Perus
Die brasilianische Biologin Silvia Pavan entdeckte 2018 während ihrer Forschung zu seltenen Eichhörnchen im Río Abiseo Nationalpark in Peru ein Neues Mausbeuteltierchen, das in hochgelegenen Wolkenwäldern lebt. Eine DNA-Analyse bestätigte das Tier als eigenständige neue Art, die den Namen Marmosa chachapoya erhielt.
2. Die traumhaften Killifische aus Kenias alten Wäldern
Im Gongoni Forest in Kenia entdeckten Wissenschaftler eine neue Killifischart mit schillernden blauen Schuppen und roten Flecken. Diese Art wurde Nothobranchius sylvaticus (sylvaticus bedeutet „vom Wald“) genannt und ist die erste bekannte Killifischart, die in einem Waldökosystem lebt. Obwohl schon 2017 Jungfische gesammelt wurden, wurde die neue Art erst nach DNA-Analysen bestätigt. Ihr Lebensraum ist klein und wird durch landwirtschaftliche Expansion und menschliche Aktivitäten bedroht.
3. Die dreitausend Jahre alten Bäume Tansanias
Botaniker entdeckten im Udzungwa-Gebirge in Tansania eine neue Baumart namens Tessmannia princeps. Diese Bäume können bis zu 40 Meter hoch werden und einige Exemplare dürften schätzungsweise 2000 bis 3000 Jahre alt sein. Aufgrund ihrer Seltenheit ist die Art momentan als gefährdet eingestuft.
4. Der leuchtend blaue Schmetterling aus Angola
In Angolas Namba Mountains wurde ein neuer, wunderschöner Schmetterling entdeckt, dessen Flügel in schillerndem Blau erstrahlen. Die Art trägt den Namen Iolaus francisi. Ihre Raupen leben ausschließlich von Misteln, die in Hochgebirgsmischwäldern zu finden sind.
5. Der Wasserkelch aus Malaysias Picknickgebieten
Ein bemerkenswerter Pflanze mit weißen Blüten wurde im Hulu Langat Forest Reserve in Malaysia entdeckt. Diese Pflanze, die als Thismia selangorensis bekannt ist, gehört zur Gattung der Wasserkelche. Sie wächst meist unterirdisch und kann aufgrund ihrer Lebensweise schwer zu finden sein.
6. Der „Gitarrenhai“ und über 850 neue marine Arten
Im Rahmen des Ocean Census-Projekts wurden innerhalb von zwei Jahren 866 neue Arten entdeckt, darunter der winzige gefleckte Seepferdchen und verschiedene Korallen und Seesterne. Diese Zahl bleibt jedoch fast unbemerkt, angesichts der Schätzung, dass 90 % der marinen Arten noch nicht dokumentiert sind.
7. Neue Fledermausarten im Himalaya
Rohit Chakravarty entdeckte 2016 eine ungewöhnliche Fledermaus, die nach DNA-Analysen als neue Art identifiziert werden konnte. Diese Fledermaus, die den Namen Myotis himalaicus trägt, hat spezifische Merkmale, die sie von anderen Arten unterscheidet.
8. Die „James Bond“ Eidechse aus der Karibik
In der Karibik wurden 35 neue Eidechsenarten entdeckt. Eine davon, die im Goldene-Augen-Dorf auf Jamaika entdeckt wurde, trägt den Namen Celestus jamesbondi, in Anlehnung an den berühmten Charakter von Ian Fleming.
9. Die „Papageischlange“ der brasilianischen Savanne
Nach einer langen Zeit der Lagerung in Museen wurde ein Papageischlangenexemplar als neue Art erkannt. Mit einem auffälligen grün-gelben Muster wurde sie Leptophis mystacinus genannt und ist nur in der brasilianischen Cerrado-Wildnis zu finden.
10. Drei neue Froscharten der peruanischen Anden
Im Anden-Gebiet von Peru wurden zwischen 2021 und 2024 drei neue Froscharten entdeckt. Aufgrund ihrer kleinen Größe und der ungünstigen Lebensbedingungen wird ihnen möglicherweise der Status „vom Aussterben bedroht“ zugewiesen.
11. Neue Rochenart im Atlantik
Eine neue Rochenart, die den Namen Mobula yarae trägt, wurde im Atlantik entdeckt und hat spezifische genetische Merkmale, die sie von verwandten Arten unterscheiden.











