Über 33.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben vom 3. bis 6. Jänner 2023 bei der Stunde der Wintervögel mitgezählt, was einen Anstieg von rund einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Insgesamt wurden mehr als 730.000 Vögel an über 25.000 Zählorten erfasst, wie die Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich berichtet.
Stabile Topplatzierungen und Rückgang der Gartenpopulationen
Die Rangliste bleibt unverändert: Kohlmeise, Haussperling und Feldsperling führen auch in diesem Jahr die Zählung an. Laut Projektleiterin Evelyn Hofer ist es nicht überraschend, dass sich diese Topplatzierungen halten. Auffällig ist jedoch eine andere Zahl: Im Durchschnitt wurden 29 Vögel pro Garten gezählt, was um ein bis zwei Vögel weniger als in den Vorjahren entspricht.
Einfluss des Klimawandels auf den Vogelzug
Die Ornithologin nennt den Rückgang in engem Zusammenhang mit dem Klimawandel und den milderen Wintern, die damit einhergehen. Zusätzlich führen die fortschreitende Verbauung von Städten und versiegelte Grünflächen zu einem Verlust des Lebensraums, besonders für typische Siedlungsvögel. Folglich gehen langfristig selbst die Bestände der häufigsten Arten wie Sperlinge, Kohl- und Blaumeisen zurück. Die kürzeren Schneeperioden ermöglichen es vielen Arten zudem, auch außerhalb von Siedlungsgebieten genügend Nahrung zu finden, wodurch sie Futterstellen seltener aufsuchen.
Vogelzug und Nahrungsangebot
In diesem Jahr blieben viele Zugvögel aus nördlichen Regionen, wie etwa der Bergfink, aus. Die milderen klimatischen Bedingungen in Nordeuropa machen einen Zug nach Mitteleuropa oft überflüssig. Ob durchziehende Vögel in Österreich verweilen, hängt stark vom lokalen Nahrungsangebot ab. Sind die Bedingungen ungünstig, ziehen viele Arten weiter. Daher können die Winterbestände von Arten wie Bergfink, Erlenzeisig und Stieglitz von Jahr zu Jahr stark schwanken.
Sorgenfälle und positive Entwicklungen
Besonders problematisch ist die Situation des Grünfinks. Laut BirdLife Österreich ist dessen Bestand seit Beginn der Zählung um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Diese Abnahme wird durch die Vogelkrankheit Trichomoniasis verursacht, während die zunehmende Verbauung und die Naturarmut die Erholung weiter erschweren. Positiv hingegen ist die Entwicklung der Amsel: Nach starken Rückgängen in den Jahren 2018 und 2019 wird sie seit einigen Jahren wieder häufiger in winterlichen Gärten gesichtet, wie Hofer berichtet.
Vom Zählen zum Schützen
Weitere Ergebnisse sind auf der Website der Stunde der Wintervögel zu finden. Die im Rahmen der Aktion gesammelten Daten werden von BirdLife ausgewertet, um gezielte Unterstützungsmaßnahmen für die Vögel zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf gebäudebrütenden Vogelarten, deren Lebensraum durch moderne Bauweisen zunehmend eingeschränkt wird, insbesondere durch das Fehlen von Dachvorsprüngen und geeigneten Nistmöglichkeiten.
Öffentliche Mitwirkung und vogelfreundliche Gestaltung
Die Vogelschutzorganisation appelliert an die Bevölkerung, dass das Füttern im Winter hilfreich sein kann, jedoch lediglich eine Ergänzung darstellt. Wichtiger ist eine vogelfreundliche Gestaltung von Gärten und Grünräumen: heimische Sträucher, alte Bäume und blühende Flächen mit Löwenzahn und Gänseblümchen bieten Nahrung, Verstecke und Brutplätze und haben eine Wirkung, die weit über den Winter hinausgeht.











